Archiv für Januar 2008


Carsten Könnecker und die Querdenker

27. Januar 2008 - 15:50 Uhr

In der GUTEN STUBE postet Carten Könnecker ĂŒber Wissenschaftler, die den Versuch unternehmen, interdisziplinĂ€r zu denken. Und er hat sicher Recht wenn er meint „…dass es wahre InterdisziplinaritĂ€t nicht zwischen Köpfen, sondern nur innerhalb der einzelnen Köpfe geben kann. Von solchen Köpfen sollte es mehr geben.“ Und weiter schreibt er: „

Was ich hier loswerden möchte, ist eine Erfahrung Northoffs, die leider die meisten Menschen machen, die eine interdisziplinĂ€re oder doppelte Qualifikation erworben haben und an der Uni bleiben: Man passt in keine Schublade und wird mit seinen “seltsamen” Ansichten von den Kollegen auf beiden Seiten belĂ€chelt – oder sogar richtiggehend ausgegrenzt. Speziell Wanderer zwischen Natur- und Geisteswissenschaften haben es schwer, weil der Beton in den Köpfen hĂŒben wie drĂŒben oft atomkriegsicher ist. Die Mehrfachqualifikation gereicht zum Nachteil.“

Dem kann ich aus eigener Erfahrung nur zustimmen.

Was gebraucht wird, sind aber nicht nur Köpfe, die interdisziplinĂ€r denken, sondern auch Redaktionen, die solche Köpfe auch erkennen und verstehen. Dazu mĂŒssen sie sich der MĂŒhe unterziehen, solche Gedanken erst einmal zur Kenntnis zu nehmen. Das ist schwer und manchmal zeitaufwendig, muss man doch GedankengĂ€ngen folgen, die einem fremd sind. Da kann im Alltagsgetriebe schon mancher „Quergedanke“ auf der Strecke bleiben und als „unverlangt eingereichtes Manuskript“ abgelegt werden.

Darin liegt ein weiteres Problem, mit dem sich „Querdenker“ plagen. Man verlangt von Ihnen keine Manuskripte, denn die Rubrik, in die sie passen wĂŒrden und zu der man BeitrĂ€ge brĂ€uchte, gibt es oft noch nicht. . Aus dem gleichen Grunde werden auch ihre BĂŒcher in den etablierten Zeitschriften nur selten rezensiert. In dieser Situation hat der Querdenker nur zwei Möglichkeiten: Er zieht sich in seinen Schmollwinkel zurĂŒck oder er gibt keine Ruhe, und wird so leicht vom Querdenken zum Querulant.

Wer aber außer den Redaktionen wissenschaftlicher Zeitschriften kann dazu beitragen, den „Beton in den Köpfen“ abzubauen? Wenn sie sich dieser Verantwortung stellen, wird aus manchem unverlangten Manuskript ein verlangtes werden.

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