Kategorie: Allgemein


Der freie Wille und die Physik

24. August 2010 - 15:55 Uhr

Physiker und Chemiker haben kein Problem damit, physikalischen oder chemischen Prozessen das Prädikat „freiwillig“ zuzuschreiben. Psychologen und Neurophysiologen streiten dagegen sogar darüber, ob dieses Prädikat menschlichen Handlungen zuerkannt werden kann.

Hinter diesem Widerspruch sind einige Probleme verborgen, die meist nicht reflektiert werden, wenn die Formulierung „freier Wille“ benutzt wird.

Ein erstes Problem steckt hinter der „Wer-Frage“. Wer – welche Art von Entität - hat die Eigenschaft, die jeweils „freier Wille“ genannt wird? Bei Physikern und Chemikern sind dies Prozesse in isolierten thermodynamischen Systemen, d.h. thermodynamische Systeme, die weder Substanz noch Energie mit der Umgebung austauschen.

Solche Systeme befinden sich gewöhnlich im Zustand des thermodynamischen Gleichgewichts, d.h. in einem Zustand, in dem überhaupt nichts stattfindet, weder freiwillig noch unfreiwillig. Anders aber, wenn in einem isolierten thermodynamischen System ein Zustand des Ungleichgewichts besteht. Dann geht das System „von allein“/1/ („spontan“, „freiwillig“) in ein thermodynamisches Gleichgewicht über. Das ist ein Aspekt des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik.

Die Bedeutung des Wortes „freiwillig“ resultiert eben daraus, dass es Prozesse innerhalb eines isolierten Systems bezeichnet, auf die per definitionem keine äußeren Ursachen wirken. Dieser Umstand der fehlenden äußeren Ursache zwingt quasi zur Verwendung von Termini wie „freiwillig“, „von allein“ oder „spontan“. Er ist nur in isolierten thermodynamischen Systemen gegeben.

Nun werden Lebewesen seit Bertalanffy gewöhnlich als offene thermodynamische Systeme betrachtet. Das physikalische Konstrukt des offenen thermodynamischen Systems ist also auch das Erklärungsprinzip für Lebewesen, und für diese gilt, dass nichts ohne äußere Ursache geschieht. In offenen thermodynamischen Systemen geschieht nichts von allein, spontan, freiwillig.

Indem nun die Lebewesen diesem Erklärungsprinzip unterworfen werden, können ihnen allein aus Gründen der Logik Prädikate wie „von allein“ oder „freiwillig“ nicht mehr zugeschrieben. Der freie Wille wurde ihnen per definitionem genommen.

Wenn man den Lebewesen nun doch einen (freien, eigenen) Willen zuschreiben will, kann das angewendete Erklärungsprinzip für Lebewesen weder das Konstrukt des isolierten noch das des offenen thermodynamischen Systems sein. Lebewesen müssen mit einem prinzipiell anderen Prinzip als dem des thermodynamischen Systems erklärt werden.

Dieses andere Prinzip ist das Konstrukt des Subjekts. Subjekte haben per definitionem einen Willen. Subjekte sind im allgemeinen Sprachgebrauch (und dem vieler Philosophien) mit Eigenschaften wie Selbstbestimmtheit, Autonomie und eben dem freien Willen ausgestattet. Ohne diese Eigenschaften kann ein Individuum nicht Subjekt sein. Dieses Konstrukt wäre aber nur dann mit den Paradigmata der Physik verträglich, wenn das Subjekt physikalisch nicht mehr also offenes, sondern als isoliertes thermodynamisches System aufgefasst werden könnte.

Die Crux liegt also in der Beziehung der Subjekte zur Umwelt. Die Subjekte mĂĽssen Beziehungen zur Umwelt haben, diese dĂĽrfen aber nicht kausalistischer Natur sein. Die Umwelt darf nicht die Ursache des subjektiven Handelns sein, denn dieses muss selbstbestimmt, autonom sein.

Deshalb ist der Subjektbegriff kein Erklärungsprinzip der Biologie und nur selten der Psychologie. Diese Wissenschaften verstehen sich als Naturwissenschaften und als diese haben sie sich dem kausalistischen Paradigma unterworfen, das die Existenz selbstbestimmter Entitäten nur als isolierte thermodynamische Systeme zulässt.

Es ist also erforderlich, eine autonome, selbstbestimmte Konstellation mit einer solchen thermodynamischen Ausstattung zu konstruieren, die im Unterschied zum isolierten thermodynamischen System auch Beziehungen zur Umwelt zulässt. Da eine solche Konstellation weder ein isoliertes noch ein offenes thermodynamisches System sein kann, muss sie in einem neuen Begriff abgebildet werden. Um mit diesem Begriff einer selbstbestimmten thermodynamischen Konstellation umgehen zu können, ist ein Wort erforderlich. Ein solcher Begriff kann widerspruchsfrei im Wort „Subjekt“ ausgedrückt werden. Dazu muss aber das Subjekt als physikalische Kategorie definiert werden,

Wie gezeigt werden kann (Litsche 2004), ist ein solcher Begriff des Subjekts geeignet, Eigenschaften wie Autonomie, Selbstbestimmtheit, Wille u.a. als native Eigenschaften bestimmter thermodynamischer Konstellationen zu verstehen.

Ein zweites Problem ist die Frage danach, wodurch sich die Beziehungen von Subjekten zu ihrer Umwelt von den Beziehungen unterscheiden, die zwischen offenen Systemen und deren Umgebung bestehen.

System und Subjekt

Abbildung 1: Offenes thermodynamisches System und Subjekt (grün Zufluss und Abfluss, L Leistung, T Tätigkeit des Subjekts, E/S Energie/Substanz)

Ein offenes thermodynamisches System hat einen Zufluss und einen Abfluss und ist durch diese ist das thermodynamische Gefälle der Umgebung eingeordnet. Zufluss und Abfluss bestimmen die Leistung des Systems, alle Werte können gemessen, die Leistung kann aus Parametern der Umgebung berechnet werden. Durch die Gestaltung von Zufluss und Abfluss kann die Leistung manipuliert werden, das System ist fremdbestimmt.

Das Subjekt vollzieht aus seinem Willen heraus eine Tätigkeit, durch die es Substanz oder Energie auch gegen ein Gefälle der Umwelt aufnimmt. Die Parameter der Umwelt können gemessen, die Tätigkeit kann aber nicht aber aus Parametern der Umwelt berechnet (vorher gesagt) werden. Bei Veränderung der Parameter der Umwelt verändert das Subjekt seine Tätigkeit in selbstbestimmter Weise, es „reagiert“ autonom. Die Reaktionen können nur aus der Beobachtung des Subjekts vorhergesagt (berechnet) werden, nicht aus den Veränderungen der Umwelt.

Pflanzen können beispielsweise Wasser auch aus sehr trockenen Böden gegen ein osmotisches Gefälle jaaufnehmen und dieses gegen die Schwerkraft transportieren. Die Menge des Speichels von Pawlows Hund kann nicht aus der Masse der Klingel berechnet werden, die den Speichelfluss auslöst. Das unterscheidet aber thermodynamische Systeme vom Subjekt. Das Subjekt realisiert thermodynamische Prozesse, die gegen ein Gefälle verlaufen, „bergauf“.

Über Subjekte und offene thermodynamische Konstellationen kann man problemlos reden, solange man sie als „black box“ betrachtet und nicht nach der physikalischen Struktur des Subjekts fragt. In allen mir bekannten früheren Versuchen konnte das Problem der Organisation von physikalischen Prozessen gegen das Gefälle („bergauf“) nicht ohne die Hilfe von Kräften wie der Entelechie oder einer vis vitalis gelöst werden. Wo in der Psychologie Subjekte vorkommen, sind sie masselose Wesen und die Psychologie wird zur „Psychologie ohne Hirnforschung“ /3/.

Wie dem auch sei, um die Natur des (eigenen) Willens zu bestimmen ohne in Widersprüche mit den Paradigmata der Physik zu geraten, muss eine Konstellation von thermodynamischen bergab wirkenden Prozessen konstruiert werden, durch deren Zusammenwirken letztlich die bergauf wirkende Tätigkeit der Subjekte entsteht /6/. Ohne ein solches Konstrukt bleibt jede Definition des Willens außerhalb der Physik.

Diese physikalische Grundlage eines Subjektbegriffs fehlt den verbreiteten neurophysiologischen Erörterungen der Kategorie des (freien) Willens. Das führt entweder auf der einen Seite dazu, die Existenz eines freien Willens überhaupt zu bestreiten und deshalb folgerichtig auch dem Menschen den Willen und damit die Fähigkeit der Selbstbestimmtheit abzusprechen. Die andere Art des Herangehens führt dazu, die Kategorie des Willens außerhalb der Physik anzusiedeln und kommt folgerichtig in letzter Konsequenz zu einer Psyche ohne Gehirn. Die Diskussion um das Manifest führender deutscher Neurophysiologen/4/ und die Antwort einiger Psychologen /5/ in der Zeitschrift „Gehirn und Geist“ ist dafür hinreichend Beleg.

Andere Autoren suchen den Ausweg in quantenmechanischen Prozessen, die sich in der Tiefe neurophysiologischer Entitäten abspielen sollen und deren zufälliger Charakter die Grundlage für die Freiheit von Entscheidungen sein soll. Ohne dieser Argumentation in einzelnen nachzugehen lässt sich einwenden, dass diese Auffassung unreflektiert Autonomie, Selbstbestimmtheit, Willen usw. – kurz die Subjektivität allen Lebewesen abspricht, die nicht über ein Nervensystem verfügen, also nicht nur den Einzellern sondern beispielsweise auch allen höheren Pflanzen. Dieser Zuschreibung sollte zumindest nachvollziehbar begründet werden, denn sie betrifft letztlich die Einheit der biologischen Wissenschaft als der Wissenschaft von allen Lebewesen.

Björn Brembs gehört zu den wenigen Neurophysiologen, die die Frage nach einem freien Willen mittels ernsthafter Experimente untersuchen. Nun hat er angekündigt, dass er sich auch zum Begriff des freien Willens explizit äußern will. Ich bin gespannt, wie er diese Probleme angeht.

   

/1/ Kluge, Gerhard; Neugebauer, Gernot (1994): Grundlagen der Thermodynamik, Spektrum Akademischer Verlag GmbH, Heidelberg Berlin Oxford (S.68ff.)

/2/ Litsche, Georg A. (2004): Theoretische Anthropologie, Lehmanns Media-LOB, Berlin

/3/ Wissenschaft im Zwiespalt. Streitgespräch. Gehirn & Geist, Heft 7-8/2005, S. 64/4/ Das Manifest (2004) Elf führende Neurowissenschaftler über Gegenwart und Zukunft der Hirnforschung. Gehirn & Geist, Heft 6/2004, S.31-37/5/ Psychologie im 21. Jahrhundert – eine Standortbestimmung. Gehirn & Geist, Heft 7-8/2005, S. 56-60/6/ Litsche, Georg (2010) Subjekt und System E-Journal der Website ICHS - International Cultural-historical Human Sciences S.66ff 

Weitere Beiträge zum Thema:

Meine Website „Subjekte“:

Subjekt - System - Information
Warum die Psychologie das Gehirn nicht findet
Warum die Neurophysiologie den Geist nicht findet

Mein Blog „Wille versus Kausalität“

Der tut nix, der will bloĂź spielen
Freier Wille
Das ErkenntnisbedĂĽrfnis und unsere Erkenntnis

 

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Erkenntnistheorie, wie hältst du´s mit der Evolution?

28. Januar 2010 - 16:12 Uhr

Dem aufmerksamen Leser meines Blogs wird nicht entgangen sein, dass ich mich zurzeit verstärkt mit erkenntnistheoretischen Problemen befasse. Beim Vergleich verschiedener erkenntnistheoretischer Ansätze fiel mir auf, dass viele davon ausgehen, dass die menschliche Erkenntnis ein Resultat der Evolution ist. Das erschien mir solange nicht bemerkenswert, bis ich untersuchte, welche Rolle die These von der Evolution der Erkenntnis in der logischen Struktur der jeweiligen Erkenntnistheorie spielte.

Ich ersetzte die These, dass die menschliche Erkenntnis im Verlauf der Evolution entstanden ist durch die gegenteilige These und fragte mich, wie sich die jeweilige Erkenntnistheorie verändern würde, wenn man von einer kreationistischen Annahme ausginge und annähme, dass menschliche Erkenntnis geschaffen worden sei.

Zuerst prüfte ich meine erkenntnistheoretische Herkunft, die Erkenntnistheorie des Marxismus. Zu meinem Erstaunen stellte ich fest, dass die grundlegenden Aussagen der marxistischen Erkenntnistheorie auch mit kreationistischen Voraussetzungen verträglich sind. Das war mir bisher noch nie aufgefallen. Für mich war – und ist – die Evolutionstheorie eine der essentiellen →Prämissen meines Denkens, und deshalb hatte ich die Evolutionstheorie auch für eine essentielle Prämisse der Erkenntnistheorie gehalten, die ich mir im Verlauf der Entwicklung meines wissenschaftlichen Denkens angeeignet hatte.

Erst als ich bewusst darĂĽber nachdachte, wurde mir klar, dass die Evolutionstheorie nicht essentiell fĂĽr die marxistische Erkenntnistheorie ist, auch wenn sie von sich das Gegenteil behauptet.

Danach prüfte ich andere mir bekannte Theorien der Erkenntnis und stellte fest, dass auch sie keine bestimmte Theorie der Entstehung der Erkenntnis erforderten, sondern mit unterschiedlichen Annahmen über die Entstehung ihres Gegenstandes verträglich sind.

Der Grund für diesen Sachverhalt liegt wohl im Selbstverständnis der Erkenntnistheorie als philosophischer Disziplin. Das bedingt, dass der Gegenstand einer Erkenntnistheorie aus der Philosophie abgeleitet wird, als deren Bestandteil die Erkenntnistheorie entwickelt wird.

Früher dachte ich, dass eine Philosophie, welche wie der Marxismus die Evolutionstheorie zu ihren essentiellen Grundlagen zählt, dies nolens volens auf ihre Bestandteile überträgt. Erst allmählich begann ich zu begreifen, dass keine Philosophie eine wissenschaftliche Theorie zu ihren essentiellen Grundlagen zählt, weil das dem Wesen der Philosophie widersprechen würde. Philosophie befasst sich (u.a.) mit den allgemeinen Grundlagen aller Wissenschaft und ist deshalb verträglich mit jeder wissenschaftlichen Theorie. Philosophie begründet sich nicht wissenschaftlich, sie begründet vielmehr Wissenschaft philosophisch. Dem widerspricht nicht, wenn Philosophie mit Wissenschaft verträglich sein will. Deshalb sieht auch die Theologie vielfach keinen unüberbrückbaren Gegensatz zur Evolutionstheorie.

Philosophien unterwerfen sich keiner wissenschaftlichen Theorie, indem sie aus einer solchen abgeleitet werden. Wissenschaftliche Theorien sind zwar aus Philosophien ableitbar, nicht aber umgekehrt. Diese Beziehung ist implikativ, also von der Art wenn → dann, was heißt, dass die vorausgesetzte Philosophie auch dann wahr ist, wenn die abgeleitete wissenschaftliche Theorie falsch ist.

Eine philosophische Erkenntnistheorie kann daher die Frage nach der Entstehung der menschlichen Erkenntnis nicht als wissenschaftliches Problem stellen und daher auch nicht lösen. Sie beginnt mit einer philosophischen Antwort auf ein philosophisches Problem.

Die Evolutionstheorie kann nur dann eine essentielle Voraussetzung einer Erkenntnistheorie werden, wenn die Erkenntnistheorie aus der Evolutionstheorie abgleitet wird. Meine Erwartung, dies in der evolutionären Erkenntnistheorie zu finden, wurde jedoch enttäuscht. Das liegt schon in ihrem Ansatz. Konrad Lorenz, der wohl die erste evolutionstheoretisch hinreichend ausgearbeitete evolutionäre Erkenntnistheorie vorgelegt hat, nennt seine Schrift „Die Rückseite des Spiegels“ im Untertitel „Versuch einer Naturgeschichte menschlichen Erkennens“, und das erste Kapitel hat den Titel „Das Leben als Erkenntnisvorgang“.

Mit der Qualifizierung des Erkenntnisprozesses als biotischer Prozess wird der Erkenntnisprozess aber seiner kulturellen und damit spezifisch menschlichen Qualität beraubt. Was untersucht wird, ist nicht der menschliche Erkenntnisprozess, sondern der biotisch-psychische Prozess der Entstehung psychischer Abbilder, wie sie auch von Tieren mit einem Zentralnervensystem gebildet werden. Die Frage nach der Spezifik des menschlichen Erkennens wird in diesem Kontext nur eliminiert, ist auch in diesem Kontext nicht formulierbar und muss deshalb unbeantwortet bleiben.

Der Grund für die fehlende Antwort auf die Frage nach der Entstehung der menschlichen Erkenntnis ist die Struktur der Evolutionstheorie selbst. Sie ist als naturwissenschaftliche Theorie im kausalistischen Paradigma der Naturwissenschaften angesiedelt und kann die Grenze des biologischen Verständnisses nicht überschreiten. Mit der Entstehung des Menschen hat die Evolution diese Grenze aber überschritten. Die Entstehung der menschlichen Erkenntnis kann im traditionellen naturwissenschaftlichen Verständnis nicht erklärt werden. Es bedarf also eines neuen Verständnisses der Evolution, um die evolutionäre Entstehung des Menschen zu verstehen.

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Wer betrĂĽgt wen?

22. Oktober 2009 - 09:44 Uhr

Neulich (3.10.09) sah ich im Fernsehen (NDR) ein Experiment, in dem die Wissenschaftler sich bemühten, den menschlichen Geruchssinn zu untersuchen. Sie ließen die Versuchspersonen mit der abgebildeten Apparatur drei Mal den gleichen Kaffeeduft riechen, wobei sie vorgaben, jeder Kaffee sei in einer anderen Kaffeemaschine erzeugt worden. Die Versuchspersonen kamen zu dem vorhersehbaren Ergebnis, dass der Kaffee aus der teuren, modernen Kaffeemaschine am besten röche, der aus der billigsten am schlechtesten.

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Bildquelle

Bei der Interpretation dieser Ergebnisse wurde gesagt, dass die Sinne offensichtlich den Verstand betrögen und ihm Informationen vorspielten, die es in der experimentell erzeugten Realität so nicht gab.

Der erkenntnistheoretische Hintergrund dieser „wissenschaftlichen“ Untersuchung ist offensichtlich und unreflektiert das empiristische Konzept der Wahrnehmung. Die Autoren haben offensichtlich die erkenntnistheoretische Diskussion der letzten 50 Jahre und die dieser zugrunde liegenden Ergebnisse der Wahrnehmungsforschung einfach nicht zur Kenntnis genommen. Jeder auch nur oberflächlich mit den modernen Ideen zum Thema vertraute Leser kann diese Konstruktion leicht auseinander nehmen.

Da die Versuchspersonen ja vorher wissen mussten, welchen Kaffeeduft sie prĂĽfen, haben sie dieses gedankliche Bild den wahrgenommenen Stoffen als Information aufmoduliert und so zum “Duft” gemacht. Das „prĂĽfende“ Subjekt hat mit seinem Verstand hat die Information erzeugt, die dann von den DĂĽften als Träger dieser Information ĂĽber die Nase aufgenommen wurde. Der Duft selbst ist dafĂĽr relativ unbedeutend. Erst der Verstand bestimmt, wie ein Stoff riecht.

Nicht die Sinne haben also den Verstand betrogen, sondern höchstens umgekehrt.

Der Sinn solcher „Untersuchungen“ liegt auf der Hand: Wie sollte man sonst Werbung organisieren? Vielleich über den Verstand? Da kann man den mündigen Verbraucher nicht „wissenschaftlich begründet“ manipulieren und zu entmündigen versuchen. Der denkende Verbraucher - eine Horrorvostellung für Werbung.

 

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Erkennen durch Wahrnehmung

29. September 2009 - 09:57 Uhr

Im vorigen Beitrag habe ich gezeigt, dass die Kategorie Erkenntnis auch ohne die Kategorie der Wahrnehmung konstruiert werden kann, wenn die Kategorie der Tätigkeit zugrunde gelegt wird. Die vom Subjekt konstruierten psychischen Abbilder werden in diesem Konstrukt nicht durch Wahrnehmung mit der Realität verbunden, sondern durch die Tätigkeit. Die Tätigkeit der Subjekte wird mittels der konstruierten psychischen Abbilder gesteuert, die durch den Erfolg der Tätigkeit verifiziert werden.

Man kann sich vorstellen, eine Bewegung auch durch Töne, beispielsweise eine Melodie zu steuern. Man singt ein Lied und fĂĽhrt an bestimmten Stellen der Melodie bestimmte Richtungswechsel durch. So kann man ein Ziel auch mit geschlossenen Augen erreichen, ohne Wahrnehmung der Umwelt. Die Information zur Steuerung der Bewegung erhält die Melodie durch das Subjekt. – Die australischen Aborigines steuern auf diese Weise durch “Songlines“ ihre mehrere Tausend Kilometer langen Märsche durch ihr Land. Muster, die zur Steuerung geeignet sind, mĂĽssen nur eine „Melodie“, eine „Gestalt“ haben. Auch WĂĽrfeln liefert ein Muster, das aber hat keine Gestalt und kann deshalb nicht gerichtet steuern.

Diese Konstruktion erfordert die Annahme einer physikalischen Realität. Zum einen werden Subjekte als materielle, stofflich-energetische Systeme unterstellt. Es gibt also reale Subjekte. Diese Subjekte agieren. Dazu brauchen sie einen stofflich-energetischen Input, d.h., Subjekte können nur in einer stofflich-energetischen Umwelt existieren, in der sie einen stofflich-energetischen Input generieren, der ihre Erhaltung gewährleistet. Diese Umwelt muss ebenso real sein wie das Subjekt selbst.

Solange das Subjekt nicht einer funktionellen Komponente zur Wahrnehmung ausgestattet ist, entfällt auch die Notwendigkeit, eine gesonderte informationelle Beziehung zwischen dem konstruierten psychischen Bild und der Umwelt auszuarbeiten. Die Beziehung Subjekt-Umwelt ist rein stofflich-energetisch und wird durch die Tätigkeit realisiert. Das befriedigte Bedürfnis bestätigt, dass das subjektive Konstrukt ein zutreffendes Bild der Realität war, Wahrnehmung ist (noch) nicht erforderlich.

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  Schema 1: Stofflich-energetische Steuerung der Tätigkeit durch den Erfolg (die Outputs sind autonome Leistungen des Subjekts)

Die organische Welt besteht zum größten Teil aus Lebewesen, die zwar tätig sind, und das erfolgreich, ohne über funktionelle Komponenten zu verfügen, die sie zur Wahrnehmung befähigen würden. Ihre Bilder der Realität sind keine psychischen Entitäten, sondern basieren beispielsweise auf chemischer (z.B. hormoneller) Basis. Nur Lebewesen, die mit einem neuronalen System ausgestattet sind besitzen auch eine Psyche und können psychische Bilder erzeugen. Nur diese sind auch mit Sinnesorganen und der Fähigkeit der Wahrnehmung ausgestattet. Das Leben bringt Psyche und Wahrnehmung also erst auf einer bestimmten Stufe der Evolution hervor.

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Schema 2: Informationelle Steuerung (der informationelle Output des Signalgebers wird auf die Steuerkomponente ĂĽbertragen und von dieser zum psychischen Bild und zur informationellen Output verrechnet)

Im Unterschied zur Tätigkeit ist die Wahrnehmung keine stofflich-energetische Beziehung des Subjekts zur Realität, sondern eine informationelle. Bei der Wahrnehmung nehmen die Subjekte weder Substanz noch Energie auf, sondern Informationen. Diese sind nicht durch stoffliche oder energetische Parameter gekennzeichnet. Deshalb können sie auch keine Beziehung des Subjekts zu einer stofflich-energetischen Realität abbilden. Da die Mainstreamerkenntnistheorie nicht auf der Tätigkeit, der stofflich-energetischen Beziehung des Subjekt zur Realität, aufbaut, sondern nur von der Wahrnehmung ausgeht, kann sie keine Beziehung zwischen psychischen Bildern und Realität erkennen. In dieser Sicht wird die Tätigkeit infolge des fehlenden Ergebnisses auf eine ziellose Bewegung reduziert, die keinen Sinn hat.

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Schema 3: Wahrnehmung ohne stofflich-energetischen Input - konstruktivistische Variante

Ohne eine auf den Erfolg – die Selbsterhaltung des Subjekts – gerichtete Tätigkeit kann es keine Bewertung der Informationen geben die das Subjekt erzeugt. Das ist auch dann nicht der Fall, wenn man ein empiristisches Wahrnehmungskonzept annimmt.

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Schema 4: Wahrnehmung ohne stofflich-energetischen Input - empiristische Variante

Erst wenn die Tätigkeit als materielle Aktion von Subjekt in das Modell der Wahrnehmung einbezogen wird, kann die Umwelt nicht mehr nur, nicht mehr ausschließlich als gedankliches Konstrukt gedacht werden. Der vom Sensor erzeugte Input aus der Umwelt erhält seinen informationellen Gehalt ebenfalls aus dem Erfolg der materiellen Tätigkeit. Der Umweltinput auf den Sensor enthält ebenso wenig Information wir der stofflich-energetische Input. Information erhält er erst, indem das Subjekt den Erfolg der Tätigkeit bewertet, die durch diesen Input gesteuert wird,

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Schema 5: Steuerung der Tätigkeit durch Wahrnehmung mit stofflich-energetischen Input - tätigkeitsttheoretische Variante

Das tätigkeitstheoretische  Konzept der Wahrnehmung erhält zwar das konstruktivistische Moment, erhält aber zugleich die Verbindung zur Realität. Vom empiristischen Konzept ĂĽbernimmt es die Auffassung, dass die Realität Information trägt, sieht diese aber nicht als “objektiv”, unabhängig vom Subjekt, sondern als subjektive, vom Subjekt erzeugte Eigenschaft der Realität.

Ich denke, dass man sich von der Idee verabschieden muss, die Realität enthielte objektive Informationen, die vom Subjekt „aufgenommen“ würde. Erst das Subjekt verleiht der Realität die Information, „objektive“ Information, Information ohne Subjekt ist ein Widerspruch in sich. Bei der Wahrnehmung nimmt das Subjekt Information nicht auf, sondern erzeugt sie und „moduliert“ sie der Umwelt auf. Durch den Erfolg der Tätigkeit bewertet das Subjekt die Information.

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Erkenntnis ohne Wahrnehmung

19. August 2009 - 15:23 Uhr

Die bislang radikalste Form, die Realität aus der Erkenntnis zu entfernen, sind die Erkenntnistheorien des der Konstruktivismus. Der Konstruktivismus bestreitet zwar nicht die Existenz einer objektiven, d.h. vom Menschen unabhängigen Realität, er bestreitet aber, dass unsere Wahrnehmung uns ein Bild dieser Realität liefern kann. Mit dieser These wirft der Konstruktivismus nicht nur die Wahrnehmung als Prozess der Erkenntnisgewinnung über Bord, sondern auch den Abbildcharakter der Erkenntnis schlechthin. Erkenntnisse sind im konstruktivistischen keine Abbilder einer von diesen Abbildern unabhängigen Realität, sondern freie Konstrukte des denkenden Subjekts.

Diese Argumentation zeigt, wie verhaftet der Konstruktivismus noch mit der empiristischen Erkenntnistheorie ist. Das Abbild kann nur als auf Wahrnehmung beruhendes Abbild verstanden werden. Die unreflektierte Annahme, Erkenntnis beruht letztlich auf Wahrnehmung, kennzeichnet auch die Diskussion im Blog Arte-Fakten. Es ist das Verdienst des Konstruktivismus nachgewiesen zu haben, dass eine solche Abbildtheorie mit den Ergebnissen der modernen Neurophysiologie unvereinbar ist. Das impliziert aber nicht die Annahme, dass die Erkenntnistheorie grundsätzlich keine Abbildtheorie sein kann. Erkenntnisse müssen nur als Abbilder der Realität aufgefasst werden, die auf andere Weise als durch Wahrnehmung zustande kommen. Mit dieser Annahme entfällt die logische Notwendigkeit, auch die Kategorie der Realität aus der Erkenntnistheorie zu entfernen. Sie erweist sich vielmehr als Denknotwendigkeit, denn ohne die Kategorie der Realität bliebe auch die Kategorie des Abbildes inhaltsleer.

Eine Lösung dieses Problems besteht darin, die Kategorie der Erkenntnis zwar nicht ohne Realität, aber ohne Wahrnehmung zu konstruieren. Erkenntnisse bleiben dann wie im Konstruktivismus freie Konstrukte des Subjekts. Da der Konstruktivismus mit der Wahrnehmung auch die Realität aus der Erkenntnis entfernt hat, fehlt ihm auch das zweite Glied, um die Erkenntnis als Abbildrelation zu konstruieren. Mit der Einbeziehung der Realität als Denknotwendigkeit in den Erkenntnisbegriff ist diese logische Hürde überwunden. Erkenntnis kann nun verstanden werden als freie subjektive Konstruktion von Abbildern der Realität. Abbilder der Realität müssen nicht durch Wahrnehmung entstehen, sie können auch konstruiert werden.

Damit stellt sich die Frage nach der „Zuordnungsvorschrift“, nach der die freien Konstrukte der Realität als deren Abbild zugeordnet werden sollen. Diese Zuordnungsvorschrift kann nicht mehr durch den Wahrnehmungsprozess begründet werden. Der Konstruktivismus bietet zwei Kriterien an, nach denen Konstrukte zu bewerten sind: den Konsens und die Eignung als Orientierungsgrundlege.

Die letztgenannte Bestimmung ist eine der Hilfskonstruktionen, durch die der Realität quasi durch die Hintertür wieder Einlass in die konstruktivistische Erkenntnistheorie verschafft wurde, denn die Notwendigkeit der Orientierung ist nur durch die Annahme einer Realität begründbar, in der sich das Subjekt orientieren muss. In dieser Konstruktion wird auch die Wahrnehmung wieder in die konstruktivistische Theorie eingeführt, denn die Orientierung erfolgt in dieser Sicht weiter über die Sinnesorgane. Auch in diesen Versionen des Konstruktivismus bleibt weiterhin bestritten, dass durch die Orientierung über die Sinnesorgane ein Abbild der Realität entsteht.

In dieser Argumentation macht sich eine weitere Enge der Sichtweise der konstruktivistischen Erkenntnistheorie bemerkbar. Sie kennt keine andere Verbindung zwischen Subjekt und Realität als die Wahrnehmung. Betrachtet man das Subjekt aber als tätiges Subjekt, das sich durch seine Tätigkeit selbst erhält, dann erweist sich die Tätigkeit eine eigenständige und unmittelbare Verbindung zwischen Subjekt und Realität, die keiner Vermittlung durch Sinnesorgane bedarf (wenn sie diese auch zulässt).

Eine erfolgreiche Tätigkeit, durch die sich das Subjekt tatsächlich erhält, begründet eine eindeutige Zuordnungsvorschrift, die das Konstrukt der Realität als deren Abbild (im Sinne eines mathematischen Abbildungsbegriffs) zuordnet. In dieser Sicht ist die Erkenntnis ein konstruiertes Bild für die Realität und nicht mehr wie im Empirismus ein Bild von der Realität, sie ist nicht mehr deren Widerspiegelung.

Bleibt die Frage, wie nun die Wahrnehmung mit der Erkenntnis zusammenhängt. Offensichtlich ist, dass Erkenntnis nie ohne Beteiligung der Wahrnehmung erfolgt, sie erklärt sie nur nicht. Wahrnehmung ist kein Erklärungsprinzip für Erkenntnis, es ist eher umgekehrt. – Aber das ist schon Stoff für einen neuen Beitrag.

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Realität, Natur, Kultur

21. Juli 2009 - 09:28 Uhr

Irgendwann führt die Reflexion der Ergebnisse des eigenen wissenschaftlichen wie politischen Denkens zur der Frage: „Warum denke ich eigentlich, was ich denke?“ Was sind die Voraussetzungen, die, meist unausgesprochen und unreflektiert, dem eigenen Denken zugrunde liegen und die den Ergebnissen des eigenen Denkens erst ihren Sinn geben?

Die Beantwortung dieser Frage erfordert eine neue Form des eigenen Denkens, denn sie kann nie einen Inhalt erlangen, den man bisher als „objektiv“ zu bezeichnen gewohnt war. Die zu erreichende Antwort ist in höchstem Maße subjektiv und war zumindest bei mir mit heftigen Emotionen und Gefühlsausbrüchen begleitet.

In seinem Blog „Arte-Fakten“ hat Jörg Friedrich mit seinen Ausführungen zum Realismus-Problem verdienstvoller Weise eine stellenweise auch emotional geführte Debatte ausgelöst. Manches erinnerte mich an meine eigene Auseinandersetzung mit diesem Problem. Manche Emotionen beruhen auch darauf, dass man einander nicht versteht, weil die Teilnehmer von unterschiedlichen Voraussetzungen ausgehen, die sie zumindest in der Debatte nicht reflektieren. Aber eben diese Voraussetzungen würden aber erklären, warum der eine so und der andere so denkt.

Meine Antworten auf die Frage, warum ich in dieser oder jener Frage so und nicht anders denke, haben es mir ermöglicht, diese Diskussion mit Interesse und Vergnügen zu verfolgen. Einige dieser Antworten habe ich in Thesen zusammengefasst. Diese - vorläufigen - Resultate meines Denkens bilden nun die Voraussetzungen meines Denkens. Sie sind die Antwort auf die eingangs formulierte Frage nach dem „Warum?“ Wenn ich diese Prämissen ebenfalls der Frage nach dem Warum? unterziehen würde, dann hieße die Antwort: „Weil ich anders nicht denken kann.“ Hinter diesen Prämissen steht nichts mehr.

 

1.     Bewusstes, reflektierendes Denken muss mit der Frage anfangen, worüber es denkt, wovon es sich Gedanken macht. Gibt es etwas außer dem Denken, über das gedacht werden kann, oder denkt das Denken nur von sich selbst.

2.     Die Realität ist das, was es wirklich, außer dem Denken gibt und worüber gedacht wird. Eine Welt ohne Realität wäre eine solipsistische Welt.

3.     Die Realität gibt es (heute) nur in Bezug auf den Menschen, der Mensch mit der Realität wechselwirkt. Eine Realität ohne Mensch ist aber denkbar, der Mensch ohne Realität nicht.

4.     Die Realität ist also die Realität in Bezug auf den Menschen, eine Realität ohne Mensch gibt es heute nicht wirklich. Die Realität ohne Menschen ist ein Konstrukt, eine Realität ohne Menschen existiert (heute) nicht wirklich, sondern nur als Konstrukt. Dieses Konstrukt ist aber denknotwendig, wenn auch nicht evident. Ohne dieses Konstrukt können wir auch den Menschen in der Realität nicht denken. Ohne das Konstrukt einer Realität außer dem Menschen bleibt das Menschenbild solipsistisch, und ein solches Menschbild will ich nicht.

5.     Die Frage, ob es je (vor dem Menschen) eine Realität gab, kann nur durch eine Hypothese beantwortet werden. Eine Realität ohne Mensch kann nur als hypothetisches Konstrukt existieren, indem man den Menschen aus der Welt heraus denkt. Das Konstrukt „Realität ohne Mensch“ ist nicht verifizierbar, da Verifikation nur durch den Menschen erfolgen kann. Spätestens in der Verifikation muss der Mensch sich wieder in die Realität hineindenken.

6.     Folglich ist der Begriff „Natur“ auch ein Konstrukt. Real, wirklich ist nur die die menschliche Welt, die vom Menschen gemachte oder gedachte Welt. Das, worauf wir zeigen können, ist Artefakt, ist Kultur, die Natur können wir nur denken.

7.     Die Gesetze der Naturwissenschaften bilden folglich nicht die „Natur“ ab, sondern nur das, was der Mensch (z.B. der Experimentator) „gemacht“ hat. Dann denkt er sich raus aus der Tätigkeit und tut so, als ob es die Gesetze der Physik auch ohne ihn gäbe. Das aber ist nicht verifizierbar, aber denknotwendig. Tatsachen sind also im Sinne des Wortes Tat-Sachen, getane Sachen, nicht aber die Sache außer der Tat.

8.     Die Natur ist die Welt, aus welcher der Mensch „rausgerechnet“ wurde. Die Kultur ist die Welt, so wie sie wirklich (tatsächlich) existiert.

 In seinen Maximen und Reflexionen meint Goethe: „Wir wissen von keiner Welt, als im Bezug auf den Menschen; wir wollen keine Kunst, als die ein Abdruck dieses Bezugs ist.“ - Und ich will auch keine Wissenschaft, die nicht Abbild dieses Bezugs ist.

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Meine unsterbliche Seele

15. April 2009 - 08:25 Uhr

Neulich bin ich um Haaresbreite an einem Unfall vorbei geschrammt. Während ich auf die Polizei wartete, ging mir so mancherlei durch den Kopf. Was wäre gewesen, wenn … ? Ich mag gar nicht daran denken.

Warum will der Mensch eigentlich nicht sterben? Warum soll auch unser Nächster nicht sterben? Ich glaube, der Wunsch nach Unsterblichkeit führte zur Erfindung der Seele. Mit der Idee der unsterblichen Seele konnten Menschen die Sterblichkeit des Körpers, die Vergänglichkeit des Leibes leichter ertragen. Mit diesem Begriff war auch die „philosophische Grundfrage“ geboren, die nun in unterschiedlichem Gewand in Wissenschaften, Philosophien und Religionen ihr Unwesen treibt. Leib und Seele, Materie und Geist, Sein und Bewusstsein sind ihre bekanntesten Verkleidungen, und immer geht es darum, wem kommt das Primat zu?

 

Wenn die Idee der Unsterblichkeit aber nur einen törichten Wunsch unserer frühen Vorfahren erfüllt, warum befassen sich dann große Geister bis auf den heutigen Tag mit der Suche nach Antworten auf die Fragen nach Seele und Geist? Oder ist das Streben nach Unsterblichkeit vielleicht doch nicht nur törichter Wunsch sondern essentielles menschliches Bedürfnis? Brauchen wir dieses Streben, um unser Leben im Hier und Heute gestalten zu können? Und wenn der Geist nur ein Konstrukt unseres Denkens ist, ist die Hypothese des Geistigen dann notwendig? Können wir auch ohne die Annahme des Geistigen ein Weltbild gestalten, das es uns ermöglicht, uns in unserer realen Welt zielstrebig zu bewegen, oder würden wir ohne eine solche Annahme ziellos umher irren? Ist diese Annahme also denknotwendig?

Die Annahme einer unsterblichen Seele, eines ewigen Geistes in einer jenseitigen Welt erfordert auch weder die Annahme göttlicher Wesen noch impliziert sie diese. Die Annahme höherer, allmächtiger Wesen in den Religionen dient wohl nur dem Bedürfnis, die Herrschaft von Menschen über Menschen zu legitimieren. Unsterbliche Seelen könnten auch in einer Welt ohne Götter angenommen werden. Wozu dann ist aber die Annahme einer geistigen Welt erforderlich?

 

Seele, Geist und Bewusstsein sind ja Bestimmungen unseres Selbsts, es geht um unsere Seele, unseren Geist und unser Bewusstsein. Können wir uns uns selbst nun ohne Seele, ohne Geist und ohne Bewusstsein denken? Bereits Descartes konnte sich den Menschen zwar ohne Körper, aber nicht ohne Geist vorstellen.

Unser geistiges Leben manifestiert sich in den Schöpfungen unserer Kultur. Die Werkzeuge, die ich herstelle, die Bilder die ich male oder fotografiere und die Gedanken, die ich in Worte fasse, sind die Realität meines Geistes, für mich selbst und für die Anderen. Die Kultur ist die Existenzform meines geistigen Seins wie mein Körper die Existenzform meines körperlichen Seins ist. Mein materielles Sein ist endlich, aber auch nach dem Ende meines körperlichen Seins werden die Gegenstände der Kultur, in den mein geistiges Sein manifest ist, weiter existieren.

 

Sind sie aber darum ohne Seele, ohne Geist, nur weil mein Körper, der sie schuf,  nicht mehr ist? Das hängt ganz davon ab, in wessen Hände sie geraten. Ihre kulturellen Eigenschaften können sie nur entfalten, wenn sie von Menschen angeeignet werden. Nur Menschen können meinen Geist in ihrem Geist auferstehen lassen, indem sie meine Werkzeuge nutzen, meine Bilder betrachten und meine Worte lesen. Die menschliche Gesellschaft ist es, die meine Seele weiter leben lässt und meinen Geist unsterblich machen kann, so wie wir heute noch im Museum den Geist der frühen Menschen aufleben lassen, indem wir ihre Faustkeile bewundern.

Die Idee der unsterblichen Seele ist also offensichtlich eine Denknotwendigkeit, ohne die wir unser heutiges Leben weder verstehen noch gestalten könnten. Aber trotzdem, ich bin doch froh, am Leben geblieben zu sein.

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Wozu ist Schule da?

22. Februar 2009 - 10:46 Uhr

Cartoon 

Hans Traxler, Chancengleichheit, in: Michael Klant , [Hrsg.] , Schul-Spott : Karikaturen aus 2500 Jahren Pädagogik ,Fackelträger, Hannover 1983, S. 25

In ihrem Blogbeitrag „Gedanken zum individualisierten Unterrichten“ erörtert lisarosa Probleme der Gleichheit und Gerechtigkeit in den Anforderungen an die Schüler.

Das Bild suggeriert die Vorstellung, dass alle Menschen verschieden sind und deshalb ebenso wenig mit dem gleichen Maß zu messen seien wie die dargestellten Tiere. Dabei wird das individualistische Verständnis des Menschen auf die Betrachtung der Tiere übertragen. In diesem Verständnis wird unterstellt, dass die verschiedenen Tierarten ein ebenso solipsistisches Dasein fristen, wie es das Bild vom freien, individuellen Menschen vorgibt: Jeder ist seines Glückes Schmied.

Aber die einzelnen Arten der Lebewesen existieren nicht nebeneinander und unabhängig voneinander. Das Leben auf der Erde funktioniert nur als Lebensgemeinschaft, als Biozönose, in der die Verschiedenheit der Einzelnen die Bedingung für die Existenz des Ganzen ist. Löwen können nicht nur nicht ohne Gazellen leben, sondern Gazellen auch nicht ohne Löwen. Deshalb sind Löwen auch nicht den Auslesebedingungen für Gazellen unterworfen und umgekehrt.

Im Unterschied zu den Tieren ist die Verschiedenheit der Menschen jedoch nicht in ihren biologischen Unterschieden begründet, sondern sozialer Natur, denn sie ist in der Arbeitsteilung begründet. Jeder Mensch erfüllt eine spezifische Funktion, der Bäcker bäckt Brot und der Rechtsanwalt schützt Steuersünder von dem Gefängnis. Nur alle zusammen ermöglich die Existenz der jeweiligen Gesellschaft.

Die Vorbereitung auf eine Funktion kann aber nicht Aufgabe der allgemeinbildenden Schule sein. Hier müssen offensichtlich alle dasselbe Lernen, ob sie darin einen persönlichen Sinn sehen oder nicht. In diesem Umstand sind alle Probleme begründet, die heute von „der Schule“ zu lösen sind und die die aktuelle Diskussion um „die Schule“ bestimmen. Im von lisarosa erörterten Zusammenhang möchte ich wenigstens auf folgende hinweisen:

1.     Wie verstehen wir die Gleichheit der Schüler? In Deutschland (und wenigen anderen Ländern) scheint es mindestens drei „Sorten“ von Schülern zu geben, für die drei Schultypen erforderlich sind, Hauptschule, Realschule und Gymnasium. In anderen Ländern wie Finnland oder Schweden gibt es offensichtlich nur eine „Sorte“, denn sie leben mit der Einheitsschule für alle Kinder. Wenn (oder wo) alle Kinder „von Natur aus“ gleich sind, können sie auch in die gleiche Schule gehen.

2.     Unterschiedliche Schulen haben unterschiedliche Funktionen. Gymnasien haben die Funktion, Kinder auf die Hochschule vorzubereiten. Gymnasiasten sollen auf die Universität, Hauptschüler sollen einen praktischen Beruf erlernen. Für beide muss es unterschiedliche Kriterien geben. Elefanten und Robben gehören nicht in die gleiche Schule.

3.     Wenn das dreigliedrige Schulsystem aufgegeben werden soll, dann muss die Einheitsschule alle Schüler auf ein Hochschulstudium vorbereiten. Dazu – so die Befürworter des gegliederten Schulsystems – sind in Deutschland nicht alle Kinder geeignet. In Finnland oder Schweden sind sie es, und in der DDR waren sie es auch. Die Hochschulvorbereitung, auf die alle Kinder vorbereitet werden, schließt sich an die Einheitsschule an. Das „Gymnasium“ existiert nicht neben der Einheitsschule, sondern danach. Für alle sind die Kriterien gleich. Das Gymnasium wird nicht abgeschafft, sondern zur Einheitsschule für alle. Anders ist die Einheitsschule nicht denkbar.

4.     So stellt sich die Frage des persönlichen Sinns wieder anders. Welchen persönlichen Sinn soll ein Hauptschüler in einer Gesellschaft entwickeln, die ihm kaum eine berufliche und noch weniger eine universitäre Perspektive bietet? Ob „Yes we can“ das leistet? Der persönliche Sinn kann sich nur auf der Grundlege der gesellschaftlichen Bedeutung entwickeln, die eine Gesellschaft dem Einzelnen zuweist.

Zurück zum Bild: Wenn die Tiere wüssten, welche Funktion sie im Naturganzen haben, könnten sie ihren persönlichen Sinn finden. So aber leben sie sinnlos still vor sich hin.

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Die Schrift und die Religion

7. Januar 2009 - 09:57 Uhr

Nachdem nun meine Überlegungen zur Entstehung der Sprache soweit gediehen sind, dass ich sie veröffentlichen konnte, kann ich mich auch wieder ein wenig dem Bloggen widmen. Gerade das Weihnachtsfest war ja für manchen willkommener Anlass, sich wieder einmal Fragen der Religion und des Glaubens zuzuwenden.Das ist ja auch schon ein Problem: Wie begeht man als Atheist oder als Andersgläubiger das Weihnachtsfest? Und was sag ich meinen Enkeln? Wann verstehen sie die Gedanken, die mich heute, da mein Leben sich seiner letzten Etappe nähert, im Zusammenhang mit diesem Fest bewegen?

Für mich ist die christliche Religion /1/ eine der größten intellektuellen Leistungen, welche die Menschheit vollbracht hat. Zum ersten Mal stellte sie die Frage nach der Gleichheit der Menschen. Im Postulat der prinzipiellen Gleichheit aller Menschen lag und liegt ihre intellektuelle Anziehungskraft, befriedigt doch dieses Postulat ein grundlegendes Erkenntnisbedürfnis aller Menschen.Die Größe des intellektuellen Anspruchs dieses Postulats wird allein schon dadurch deutlich, dass es bis heute nicht gelingt, dieses Postulat in unserem Handeln zu realisieren. Wie sonst wäre es möglich, dass nicht nur Atheisten Kriege führen, sondern dass Muslime auf Juden, Katholiken auf Protestanten schießen und das mit Waffen, die ihre Priester gesegnet haben? Aber auch die Hoffnung auf Aussöhnung und Frieden resultiert aus dem Gleichheitspostulat.Dazu passt, dass im Weltbild vieler religiöser Menschen nur Angehörige der eigenen Religion des Paradieses teilhaftig werden können und dass sogar beim Zählen der des Paradieses Würdigen nicht alle gleich behandelt werden. - So versuche ich zu Weihnachten, wenigstes meine Lieben in meinen Geschenken gleich zu behandeln.

Eine andere wenigstens ebenso große intellektuelle Leistung vollbrachten die Schöpfer der christlichen Religionen mit dem
monotheistischen Konstrukt eines nicht anschaubaren Gottes, von dem man sich kein Bild machen soll.Soweit mir bekannt, werden bis heute die Götter polytheistischer Religionen durch gestaltbare und dadurch anschaubare Bilder oder Skulpturen (Götzen) oder auch durch Naturerscheinungen dargestellt. Der Gott der christlichen Religionen ist dagegen abstrakt, er kann nicht angeschaut werden sondern kann nur gedacht, d.h. geglaubt werden.Mit diesem Konstrukt erreichte das menschliche Denken wohl erstmals theoretisches Niveau, d.h. das Niveau eines Denkens, dass sich vollständig von der Anschauung gelöst hat. Wie schwer diese Anforderung zu erfüllen war, geht für mich auch aus dem Umstand hervor, dass ein anschaubares Verbindungsglied zu diesem abstrakten Gott erforderlich wurde, das in dem Konstrukt des menschgewordenen Gottessohns realisiert wurde.Das Konstrukt eines nicht anschaubaren Gottes erforderte aber weiter die Erfindung einer dazu geeigneten Schrift.
Solange die Schrift Bilderschrift ist, kann die Idee eines nicht anschaubaren Gottes ĂĽberhaupt nicht ausgedrĂĽckt werden, weil das Schriftzeichen fĂĽr Gott nur ein Bild Gottes sein kann. Erst wenn Worte unmittelbar in
Buchstaben geschrieben werden können, sind auch Schriftzeichen für abstrakte Gedanken konstruierbar.Damit bin ich wieder beim Ausgangspunkt angelangt, der Entstehung von Sprache und Schrift. Das sind unzweifelhaft kulturelle Leistungen der Menschheit und nicht das Resultat biotischer Evolution. Nicht genetische Veränderungen des Gehirns bringen Sprache und Schrift hervor, sondern die Entwicklung der menschlichen Kultur durch die menschliche Tätigkeit.Merlin Donald, selbst Kognitionspsychologe, zeigt in seinem Buch „Triumph des Bewusstseins“, /2/ dass und warum die Entstehung und Entwicklung der Sprache nicht aus dem „solipsistischen Paradigma“ der Neurophysiologie verstanden werden kann, sondern dass die Herausbildung der Sprache nur aus der kollektiven Kultur der Menschen erklärbar ist.

Und wenn die Sprache nicht aus dem Gehirn erklärbar ist, dann ist sie auch nicht genetisch bestimmt, wie beispielsweise
Noam Chomsky oder Steven Pinker meinen. Und dann ist auch die Religion kein Resultat biotischer Evolution, wie Michael Blume in seinem Buch „Gott, Gene und Gehirn“ meint. Die christliche Religion ist intellektuelles Resultat der Entwicklung der menschlichen Kultur, in der ich lebe und die ich respektiere – auch durch die Art, in der ich als Atheist Weihnachten feiere.  

 /1/ Ich meine Religion, nicht aber das, was Kirchen daraus machen.
/2/ Donald, Merlin (2008): Triumph des Bewusstseins. Die Evolution des menschlichen Geistes, Klett - Cotta Verlagsgemeinschaft, Stuttgart
/3/Rüdiger Vaas, Michael Blume (2008) :Gott, Gene und Gehirn. Warum Glaube nützt. Die Evolution der Religiosität, Hirzel Verlag Stuttgart. 

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Glauben und Wissen

14. November 2008 - 09:57 Uhr

Woher wissen wir eigentlich, was wir wissen?
Also ich weiß das Meiste vom „Hörensagen“, es hat mir jemand erzählt, ich habe es irgendwo gelesen – und ich lese viel - oder ich habe es im Fernsehen gesehen, das ich auch ausreichend „genieße“. Das Wenigste habe selbst in der Realität überprüft. Ich habe es „geglaubt“. Ich wusste, weil ich glaubte.
Der erste Grund ist mein Vertrauen in meine Quellen. Zuerst waren es meine Eltern und der Rest der Familie, denen ich zunächst blind vertraut habe. Warum meine ich trotzdem, mein Wissen sei zutreffend, „wahr“?
Das so erworbene „Grundwissen“ bildete dann das Kriterium, an dem ich neues Wissen prüfte. Passt es? Ist es logisch mit diesem verträglich? Das Glauben wurde auf diese Weise durch eigenes Nachdenken „begründet“.
Der Inhalt des Wissens war dabei gleichgĂĽltig, Wissen ĂĽber Gott war dem Wissen ĂĽber die Welt gleichartig und gleichwertig.
Zum Ende der Pubertät änderte sich das. Neue Quellen beispielsweise der wissenschaftliche Unterricht ließen mich verstehen, dass nicht alle Komponenten meines Wissens miteinander verträglich waren. Ich musste mich entscheiden, welchen Quellen ich in Zukunft glauben wollte, den rationalen oder den religiösen.
Ich entschied mich für rationales Wissen und ich konnte nicht verstehen, wie Menschen einen religiösen Glauben haben konnten. So war mir meine Biologielehrerin ein Rätsel, die uns als gläubige Katholikin die Evolution erklärte.
Nun „wusste“ ich die Religion nur noch, die Wissenschaft glaubte ich.
Der rationale Teil meines Wissens war der, von dem ich begründet annahm, dass ich ihn „empirisch verifizieren“ könnte, wenn ich wollte, und den ich deshalb wirklich wüsste.. Der religiöse Teil war dagegen der Teil, von dem ich annehmen musste, dass er prinzipiell nicht empirisch verifizierbar ist und den ich ohne die Möglichkeit der Verifikation hätte nur glauben müssen.
Glauben und Wissen waren so als Religion und Wissenschaft unterschiedliche Qualitäten geworden.
Später stellte ich dann fest, dass es Ereignisse geben konnte, die der Allmacht der Rationalität widerstanden, an die ich geglaubt hatte.
Warum musste meine Mutter so jung sterben? Sie hatte Krebs. Sie hatte geraucht. Das war rational einsichtig, war aber war nicht meine Frage. Warum musste es meine Mutter treffen? Hier fand ich keine rationale Antwort. So hatte ich hatte gar keine Antwort im Gegensatz zu meinen religiösen Verwandten. Der religiöse Glauben hatte Funktionen erfüllt, zu denen der Glaube an die Wissenschaft ungeeignet war.
Auch auf andere Fragen wie die nach dem Sinn des menschlichen oder wenigstens meines Lebens hat die Wissenschaft keine empirisch verifizierbaren Antworten. Solche Fragen muss ich entweder unbeantwortet lassen oder ich gebe mir meine individuelle Antwort, ich bestimme den Sinn meines Lebens selbst.
Es ist schwer, mit unbeantwortbaren Fragen zu leben, für manche Menschen zu schwer. Ihnen kann ein religiöser Glaube helfen, wo der wissenschaftliche versagt. Das sollte auch der Wissenschaftsgläubige akzeptieren und umgekehrt.
Problematisch wird es, wenn Wissenschaft und Religion vor allem in ihren institutionalisierten Formen ihre Domänen verlassen und in fremden Gewässern fischen. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema, wie es z.B. bei Brights in “Eine objektive Ethik ist möglich” behandelt wird.

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