Kategorie: Erziehung


Interview

1. März 2012 - 11:12 Uhr

Soeben hat Michael Blume auf seinem Blog “Natur des Glaubens” ein  Web-Interview mit mit eingestellt.

Dieser Blog ist auch in meiner Blogroll. Er behandelt religiöse Fragen sachlich und unaufgeregt. Ich lese Ă­hn regelmĂ€ĂŸig.

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Wozu ist Schule da?

22. Februar 2009 - 10:46 Uhr

Cartoon 

Hans Traxler, Chancengleichheit, in: Michael Klant , [Hrsg.] , Schul-Spott : Karikaturen aus 2500 Jahren PÀdagogik ,FackeltrÀger, Hannover 1983, S. 25

In ihrem Blogbeitrag „Gedanken zum individualisierten Unterrichten“ erörtert lisarosa Probleme der Gleichheit und Gerechtigkeit in den Anforderungen an die SchĂŒler.

Das Bild suggeriert die Vorstellung, dass alle Menschen verschieden sind und deshalb ebenso wenig mit dem gleichen Maß zu messen seien wie die dargestellten Tiere. Dabei wird das individualistische VerstĂ€ndnis des Menschen auf die Betrachtung der Tiere ĂŒbertragen. In diesem VerstĂ€ndnis wird unterstellt, dass die verschiedenen Tierarten ein ebenso solipsistisches Dasein fristen, wie es das Bild vom freien, individuellen Menschen vorgibt: Jeder ist seines GlĂŒckes Schmied.

Aber die einzelnen Arten der Lebewesen existieren nicht nebeneinander und unabhĂ€ngig voneinander. Das Leben auf der Erde funktioniert nur als Lebensgemeinschaft, als Biozönose, in der die Verschiedenheit der Einzelnen die Bedingung fĂŒr die Existenz des Ganzen ist. Löwen können nicht nur nicht ohne Gazellen leben, sondern Gazellen auch nicht ohne Löwen. Deshalb sind Löwen auch nicht den Auslesebedingungen fĂŒr Gazellen unterworfen und umgekehrt.

Im Unterschied zu den Tieren ist die Verschiedenheit der Menschen jedoch nicht in ihren biologischen Unterschieden begrĂŒndet, sondern sozialer Natur, denn sie ist in der Arbeitsteilung begrĂŒndet. Jeder Mensch erfĂŒllt eine spezifische Funktion, der BĂ€cker bĂ€ckt Brot und der Rechtsanwalt schĂŒtzt SteuersĂŒnder von dem GefĂ€ngnis. Nur alle zusammen ermöglich die Existenz der jeweiligen Gesellschaft.

Die Vorbereitung auf eine Funktion kann aber nicht Aufgabe der allgemeinbildenden Schule sein. Hier mĂŒssen offensichtlich alle dasselbe Lernen, ob sie darin einen persönlichen Sinn sehen oder nicht. In diesem Umstand sind alle Probleme begrĂŒndet, die heute von „der Schule“ zu lösen sind und die die aktuelle Diskussion um „die Schule“ bestimmen. Im von lisarosa erörterten Zusammenhang möchte ich wenigstens auf folgende hinweisen:

1.     Wie verstehen wir die Gleichheit der SchĂŒler? In Deutschland (und wenigen anderen LĂ€ndern) scheint es mindestens drei „Sorten“ von SchĂŒlern zu geben, fĂŒr die drei Schultypen erforderlich sind, Hauptschule, Realschule und Gymnasium. In anderen LĂ€ndern wie Finnland oder Schweden gibt es offensichtlich nur eine „Sorte“, denn sie leben mit der Einheitsschule fĂŒr alle Kinder. Wenn (oder wo) alle Kinder „von Natur aus“ gleich sind, können sie auch in die gleiche Schule gehen.

2.     Unterschiedliche Schulen haben unterschiedliche Funktionen. Gymnasien haben die Funktion, Kinder auf die Hochschule vorzubereiten. Gymnasiasten sollen auf die UniversitĂ€t, HauptschĂŒler sollen einen praktischen Beruf erlernen. FĂŒr beide muss es unterschiedliche Kriterien geben. Elefanten und Robben gehören nicht in die gleiche Schule.

3.     Wenn das dreigliedrige Schulsystem aufgegeben werden soll, dann muss die Einheitsschule alle SchĂŒler auf ein Hochschulstudium vorbereiten. Dazu – so die BefĂŒrworter des gegliederten Schulsystems – sind in Deutschland nicht alle Kinder geeignet. In Finnland oder Schweden sind sie es, und in der DDR waren sie es auch. Die Hochschulvorbereitung, auf die alle Kinder vorbereitet werden, schließt sich an die Einheitsschule an. Das „Gymnasium“ existiert nicht neben der Einheitsschule, sondern danach. FĂŒr alle sind die Kriterien gleich. Das Gymnasium wird nicht abgeschafft, sondern zur Einheitsschule fĂŒr alle. Anders ist die Einheitsschule nicht denkbar.

4.     So stellt sich die Frage des persönlichen Sinns wieder anders. Welchen persönlichen Sinn soll ein HauptschĂŒler in einer Gesellschaft entwickeln, die ihm kaum eine berufliche und noch weniger eine universitĂ€re Perspektive bietet? Ob „Yes we can“ das leistet? Der persönliche Sinn kann sich nur auf der Grundlege der gesellschaftlichen Bedeutung entwickeln, die eine Gesellschaft dem Einzelnen zuweist.

ZurĂŒck zum Bild: Wenn die Tiere wĂŒssten, welche Funktion sie im Naturganzen haben, könnten sie ihren persönlichen Sinn finden. So aber leben sie sinnlos still vor sich hin.

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Mutter mit 64

8. Dezember 2007 - 10:42 Uhr

Was soll das, fragt sich mancher, der die Nachricht von der 64-jĂ€hrigen Mutter gesehen oder gehört hat. Warum tut die Frau das sich und ihrem Kind an? Da sich die Frau zu ihren Motiven nicht öffentlich geĂ€ußert hat, bleiben dem Publikum nur Spekulationen. Warum wollen Menschen ĂŒberhaupt Kinder?

Manche wollen Kinder haben, im unmittelbaren Sinne der Wortes „haben“, besitzen, ĂŒber sie verfĂŒgen. Die Kinder bedienen ein BedĂŒrfnis der Eltern, das BedĂŒrfnis nach Anerkennung, sie wollen es mit Stolz vorzeigen können, es macht Spaß, ein Kind zu haben usw. Das Kind ist „Lustobjekt“ der Eltern, das ihnen Spaß machen soll. Ehrlich, wollten Sie so ein Kind sein?

Was aber, wenn so ein Kind nicht zum VergnĂŒgen der Eltern leben will, sondern - wie diese Eltern - zu seinem eigenen VergnĂŒgen? Solche Familien, in denen jeder nur seinem VergnĂŒgen nachjagt, machen keinen glĂŒcklich und brechen nicht selten auseinander, Beispiele sind dank der voyeuristischen „Berichterstattung“ unserer Medien hinlĂ€nglich bekannt. Noch schlimmer wĂ€re es, wenn das Kind wirklich so leben wollte, dass die WĂŒnsche seiner Eltern der Sinn seines Lebens wĂ€ren und sein Leben dominierten.

Ein denkbares Motiv wĂ€re auch der Wunsch der Eltern, im Alter versorgt zu werden. Sie schließen den viel zitierten „Generationenvertrag“. Der kindliche Partner wird dabei gar nicht gefragt, und die zu Versorgenden bestimmen das Maß ihrer Versorgung selbst. Was Wunder, dass spĂ€ter immer wieder Junge nicht zu so einem Vertrag stehen wollen, ihre Stimme erheben und wie manche smarte Jungmanager diesen Vertrag korrigieren oder gar aufheben möchten. Wie aber, wenn die Eltern diesen Vertrag gar nicht eingehen wollen? Ist die Babyklappe vielleicht nur eine konsequente Form der KĂŒndigung des Generationenvertrags?

UnabhĂ€ngig von den subjektiven WĂŒnschen und Motiven erfĂŒllen die Kinder aber auch eine objektive Funktion im Leben der Gesellschaft: Sie gewĂ€hrleisten die Erhaltung der Gesellschaft in der Zeit. Nicht dass das den Menschen verborgen geblieben wĂ€re, manche politische Sonntagsrede zeugt davon. Aber dass dieses Ziel zum Motiv individueller Handlungen gemacht wird, das gilt in unserem Lande nicht wirklich als Wert. Dabei wĂ€re dieser Wert als Motiv des Kinderwunsches der moralische Ort, an dem sich alle Generationen treffen könnten.

GleichgĂŒltig, welcher Wunsch die Mutter mit 64 getrieben hat, zur Erhaltung der Gesellschaft hat sie beigetragen, auch wenn der statistisch zu erwartende individuelle Nutzen gering bleiben dĂŒrfte.

Alles Gute fĂŒr Mutter und Kind!

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