Voraussagen und erklären

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Als ich mir wieder einmal meine Urlaubsfotos ansah, fiel mir auch das Bild mit der Regenbogenschlange aus dem australischen Kakadu - Nationalpark in die Hand. Ich erinnerte mich an die Geschichten aus der Mythenwelt der Aborigines, die uns der Guide erzählt hatte. Diese haben schon lange mein Interesse geweckt, sind sie doch die älteste Kultur, die es auf unserer Erde gibt.

 

30.000 Jahre ununterbrochene Weitergabe eines Weltbildes, welches das Überleben einer Gesellschaft in einer sehr komplizierten Umwelt gewährleistet hat. Das erfordert auch Erklärungen und erfolgreiche Voraussagen über zu erwartende Ereignisse.

Lanius berichtet z.B. darüber, wie die Aborigines Zeugung und Empfängnis erklären. Beides besteht in den Vorstellungen der Aborigines aus einem biologischen und einem spirituellen Teil. Letzterer beruht auf der Vorstellung eines Geistkindes. Geistkinder sind nicht als materielle Wesen aufzufassen, die als Keime oder Vorformen realer Babys existieren. Sie sind immaterielle Wesen, die sich bevorzugt an besonders fruchtbaren Orten befinden, wo sie durch die mythischen Ahnen hinterlassen wurden

Eine alte Aborigine erklärte dazu: Ja, ich weiß, was der Weiße sagt, aber ich glaube nicht, dass er recht hat. Wenn es stimmen würde, müssten verheiratete Frauen andauernd Kinder bekommen, weil sie ja ständig mit ihren Ehemännern zusammenleben. Aber das ist nicht der Fall. Einige Frauen haben viele Kinder, manche nur wenige und wieder andere haben gar keine. Der Weiße kann das nicht erklären, aber wir schon. Wenn eine unserer Frauen viele Babys hat, wissen wir, dass sie ein Liebling der muri, der kleinen Geistkinder, ist. Wenn eine andere nur wenige Kinder hat, wollen nur ein paar muri sie als Mutter. Und wenn eine Frau gar keine Kinder bekommt, dann weiß jeder, dass die kleinen Geistkinder sie nicht mögen. Nein-, so kam die alte Dame zu dem Schluss, ich glaube nicht, dass der Weiße recht hat, denn er kann das alles nicht erklären, wir aber schon. (Nach Lanius, Karl (Leipzig 2005): Weltbilder,  S 42 ff.)

Wir haben ungezählte wissenschaftliche Erklärungen zur Hand, warum es aber gerade die eine Frau trifft und die andere nicht, das bleibt in unserem wissenschaftlich geprägten Erkenntnissystem dem „Zufall“ überlassen.

Die Aborigines brauchen Zufall nicht zu bemühen, um zu erklären, warum eine Frau keine Kinder bekommen kann. Mehr und anderes Wissen war nicht erforderlich, um überleben zu können. Was zufällig ist und was voraussagbar, wird von dem Erkenntnissystem bestimmt, in dem das zu erklärende Ereignis erklärt wird. Nicht das Ereignis ist zufällig, nur seine Stellung in unserem Weltbild (mehr>>).

Kategorie: Erkenntnis, Zufall

2 Reaktionen zu “Voraussagen und erklären”

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